LOUIS VIERNE:
Symphonien für Orgel

Louis Vierne: Orgelsinfonien
Hans-Dieter Meyer-Moortgat, Orgel

3 CDs in Multibox
aufgenommen an der 2000 erbauten
romantischen Mühleisenorgel
im Dom zu Bad Gandersheim

Aus dem Booklet zu diesem Album:

Man mag zwar in Louis Vierne einen der bedeutendsten Vertreter der „École symphonique“ in Frankreich, also der „symphonischen Schule“, sehen, tatsächlich ist die musikalische Stellung dieses wohl zugleich prominentesten Organisten in der Reihe der „organistes titulaires“ von Notre-Dame de Paris, der „Titularorganisten“, lange Zeit unterschätzt worden: So zeigt Vierne in seinem umfangreichen Orgelwerk (sechs Symphonien, Pièces de Fantaisie, Pièces en style libre, zwei Orgelmessen sowie verschiedene Einzelwerke für Orgel) mittels seines kompromisslosen Gebrauchs der Chromatik und der Einbeziehung nicht tonaler Systeme (wie z. B. der Ganztonleitern) eine deutliche Tendenz von der Tonalität hin zur Atonalität, die jedoch in seinen Werken nie vollends kompositorisch vollzogen, sondern stets episodenhaft in die musikalische Dramaturgie des Werkes integriert wird.

Vierne kam am 8. Oktober 1870 in Poitiers fast blind zur Welt und entwickelte nicht zuletzt wegen dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung sein übersensibles doch gütiges Naturell. Zunächst erhielt Vierne Unterricht bei Louis Lebel und Henri Adam, später dann in den Fächern Fuge und Kontrapunkt bei César Franck. Im Jahre 1900 wurde er unter vielen Bewerbern zum Titularorganisten an der Kathedrale Notre-Dame de Paris ernannt. Im Jahre 1937, am 2. Juni, verstarb Vierne während eines Konzerts am Spieltisch seiner Orgel in Notre-Dame an den Folgen eines Gehirnschlags. Zu seinem großen Schülerkreis gehörten unter anderem die bedeutenden Organisten und Komponisten Marcel Dupré, Maurice Duruflé und Gaston Litaize.

Zu den Symphonien für Orgel In den Jahren 1899 bis 1930 schuf Louis Vierne insgesamt sechs „Symphonien für Orgel“:

Symphonie Nr. 1, d-Moll, op. 14
Diese Symphonie erschien zuerst 1899 und entstand anlässlich Viernes Bewerbung zum Titularorganisten an Notre-Dame de Paris. Vierne widmete sie dem Organisten und Komponisten Alexandre Guilmant (1837 - 1911), der 1896 im Pariser Konservatorium die Orgelklasse von Charles-Marie Widor übernahm, in der Vierne zunächst auch weiterhin Lehrassistent war. Vom Aufbau her ist es die einzige aus sechs Sätzen bestehende Symphonie Viernes [...]

Symphonie Nr. 2, e-Moll, op. 20
Die zweite Symphonie entstand 1902, also nur drei Jahre nach der ersten, und sie ist zyklisch komponiert, d. h., die verwendeten Themen sind nicht auf einzelne Sätze beschränkt, sondern sie werden satzübergreifend eingesetzt. Dieses Werk ist dem bekannten Orgelbauer Charles Mutin gewidmet, der 1898 die Leitung der berühmten Orgelbauwerkstatt Aristide Cavaillé-Coll übernommen hatte.
Am 23. Februar 1903 wurde diese Symphonie vom Komponisten selbst in Notre-Dame de Paris uraufgeführt. Claude Debussy, der nicht nur Komponist, sondern auch ein scharfzüngige Kritiker war, hörte diese Uraufführung und schrieb dazu am 25. Februar 1903 in seiner Kolumne in „Gil Blas“: „[…] die reichste Musikalität vereinigt sich mit sinnreichen Erfindungen im spezifischen Klang der Orgel. Der alte J. S. Bach, unser aller Vater, wäre zufrieden mit M. Vierne.“ [...]

Symphonie Nr. 3, fis-Moll, op. 28
Vierne verbrachte die Sommermonate des Jahres 1911 auf dem Feriensitz der Familie Dupré in Saint-Valéry-en-Caux in der Normandie. Dort entstand seine dritte Symphonie, die er dann seinem Schüler Marcel Dupré gewidmet hat. [...]

Symphonie Nr. 4, g-Moll, op. 32
Die letzten drei Symphonien Viernes sind alle nach dem zyklischen Prinzip komponiert, welches Vierne erstmals bei der zweiten Symphonie anwandte. Zudem macht sich ab der vierten Symphonie ein eher düsterer und depressiver Tonfall in den Symphonien breit, der auf verschiedene berufliche und private Niederlagen Viernes zurückzuführen ist. Die vierte Symphonie entstand 1914 in La Rochelle und ist dem amerikanischen Organisten und seinem Freund William C. Carl gewidmet („à mon ami William C. Carl“), dem Gründer der „Guilmant Organ School“ in New York City. [...]

Symphonie Nr. 5, a-Moll, op. 47
Die vorletzte Symphonie Viernes wurde in den Jahren 1923 und 1924 komponiert, teilweise während einer Konzertreise durch die Schweiz und Italien. Gewidmet ist sie Viernes Schüler und Freund Joseph Bonnet („à mon élève und cher ami Joseph Bonnet“). [...]

Symphonie Nr. 6, h-Moll, op. 59
Diese letzte Symphonie von Louis Vierne entstand 1930 in Menton an der Côte d'Azur im Angesicht des Meeres" und ist dem Andenken des amerikanischen Organisten Lynwood Farnam gewidmet, von dessen tragischem Tod Vierne kurz zuvor erfahren hatte („zum Andenken an meinen viel zu früh verstorbenen Freund“). In der Notenausgabe schreibt Vierne dazu weiter:
„Zum Beweis meiner großen Bewunderung für den außerordentlichen Musiker und unvergleichbaren in vollem Ruhm zu früh verstorbenen Virtuosen“.
Die Uraufführung dieser Symphonie erfolgte am 3. Juni 1934 in Notre-Dame de Paris durch seinen Schüler Maurice Duruflé. [...]

Jörg Abbing

Rezension



Louis Vierne (1870 – 1937)
Symphonien für Orgel
CD 1
Symphonie Nr. 1   d-Moll   op. 14

[1]

Prélude

7'01

[2]

Fugue

4'20

[3]

Pastorale

7'34

[4]

Allegro Vivace

4'28

[5]

Andante

6'24

[6]

Final

6'28


Symphonie Nr. 2   e-Moll   op. 20

[7]

Allegro

7'01

[8]

Choral

8'14

[9]

Scherzo

4'08

[10]

Cantabile

8'25

[11]

Final

7'45


CD 2
Symphonie Nr. 3   fis-Moll   op. 28

[1]

Allegro Maëstoso

6'10

[2]

Cantilène

4'20

[3]

Intermezzo

3'44

[4]

Adagio

7'19

[5]

Final

6'08


Symphonie Nr. 4   g-Moll   op. 32

[6]

Prélude

6'15

[7]

Allegro

5'23

[8]

Menuet

7'30

[9]

Romance

7'37

[10]

Final

5'40


CD 3
Symphonie Nr. 5   a-Moll   op. 47

[1]

Grave

7'53

[2]

Allegro

7'18

[3]

Tempo di Scherzo ma non troppo

4'19

[4]

Allegro Vivace

9'36

[5]

Final

9'52


Symphonie Nr. 6   h-Moll   op. 59

[6]

Introduction et Allegro

9'07

[7]

Aria

7'06

[8]

Scherzo

4'29

[9]

Adagio

9'10

[10]

Final

7'48


  „Ich kam fast völlig blind zur Welt; meine Eltern umgaben mich mit besonderer Herzlichkeit, was mir schon sehr früh zu einer fast ungesund zu nennenden Überempfindlichkeit verhalf [...]. Dieser Zustand verfolgte mich in meinem ganzen Leben und war der Grund für Zeiten großer Freude, aber auch Zeiten unaussprechlichen Leidens.“  
Ganz im Sinne dieser autobiographischen Äußerung Louis Viernes sind seine sechs „Symphonien für Orgel“ in Molltonarten angelegt, und zugleich bilden deren Grundtöne in chronologischer Reihenfolge des Entstehens dieser Symphonien die ersten sechs Töne einer Dur-Tonleiter, nämlich D-Dur. Sollte diese positive Nuance etwa seine Absicht gewesen sein und vielleicht als „Hoffnung auf Licht“ eines nahezu blinden Musikers gedeutet werden können?
sonox musikproduktion

Hans-Dieter Meyer-Moortgat ............. Orgel

Aufgenommen: 14./15. Oktober 2007, Mühleisenorgel, Stiftskirche (Dom) Bad Gandersheim, Deutschland · Aufnahme und Schnitt: Marcel Babazadeh · Bearbeitung und Layout: sonox musikproduktion · Mastering: Thomas Sandmann, master orange music · DDD · Gesamtdauer:

CD1: 71’45   ·   CD2: 60’04   ·   CD3: 76’32

SICUSKlassik   sic 010-2

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